„Wenn wir zur OP raten, gibt es keine Alternative“

Drei Frauen mussten sich während ihrer Schwangerschaft im Marienhaus Klinikum St. Elisabeth Neuwied operieren lassen - die Kinder kamen zum errechneten Zeitpunkt gesund auf die Welt.

Melahat Etken mit Acelya, Irene Bergmann und Christine Wall mit Ehemann Harry und ihrer Tochter Mona (von links) haben eines gemeinsam: Sie mussten sich während ihrer Schwangerschaft operieren lassen. Ihre Kinder kamen alle zum errechneten Zeitpunkt gesund auf die Welt.

29.10.2013

Neuwied. Eines haben die drei jungen Frauen gemeinsam: Sie hatten keine andere Wahl, als sich während ihrer Schwangerschaft operieren zu lassen. In einer Zeit, in der die meisten Frauen auf Medikamente verzichten und alles vermeiden, was dem ungeborenen Baby schaden könnte, mussten Irene Bergmann, Melahat Etken und Christine Wall sich für eine Operation entscheiden, um ihr eigenes Leben und das ihres Kindes zu retten.

Die 26-jährige Irene Bergmann erwartete ihr erstes Kind, als sie in der 19. Schwangerschaftswoche Wehen bekam. Sie schonte sich, nach einer Woche kamen jedoch starke Bauchschmerzen, Fieber und Erbrechen dazu. Sie wurde in das Marienhaus Klinikum St. Elisabeth Neuwied eingeliefert. Die Ärzte vermuteten eine Blinddarmentzündung. Nachdem bei der Ultraschalluntersuchung der Blinddarm nicht zu erkennen war, „musste ich mich entscheiden, ob ich mich operieren lasse“, berichtet sie. „Aber letztlich hatte ich gar keine Wahl, an der Blinddarmentzündung wäre ich gestorben.“ Und dass die Operation keinen Moment zu früh durchgeführt wurde, erzählten ihr die Chirurgen anschließend, denn ihr Blinddarm war schon geplatzt. Fünf Wochen lag sie im Krankenhaus, „denn die Narbe heilte durch den wachsenden Bauch schlecht“, erinnert sich Irene Bergmann. Dennoch haben sie und ihre Tochter Melanie – die zum errechneten Zeitpunkt auf die Welt kam – alles gut überstanden.

„Wir operieren eine Frau während einer Schwangerschaft nur, wenn ihr Leben oder das ihres Kindes bedroht ist“, so Prof. Dr. Richard Berger, der Chefarzt der Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe. „Wenn wir zur OP raten, gibt es keine Alternative.“ So auch bei Mehalat Etken. Im fünften Schwangerschaftsmonat bekam sie Bauchschmerzen. Ihr Frauenarzt verordnete ihr Paracetamol. Als die Schmerzen so stark wurden, dass das Medikament nicht mehr half, entdeckte eine Gynäkologin in ihrer Gebärmutter ein großes Myom. Im Marienhaus Klinikum St. Elisabeth stellten die Ärzte dann fest, dass dieses gutartige Geschwulst den Darm abdrückte und die junge Türkin an einem Darmverschluss litt. Zu diesem Zeitpunkt ging es ihr sehr schlecht, sie hatte starke Schmerzen und erbrach sich häufig. „Die Operation führten wir zusammen mit den Chirurgen durch“, so Berger. „In solchen Fällen ist eine gute interdisziplinäre Zusammenarbeit existentiell wichtig.“ Bei dem Eingriff lösten das Team von Prof. Berger und Dr. Claus Schneider, Chefarzt der Klinik für Chirurgie, Verwachsungen im Bauchraum und sorgten dafür, dass sich der Darm wieder frei bewegen konnte. So wurde er nicht mehr von der wachsenden Gebärmutter abgedrückt. Nach 20 Tagen im Krankenhaus ging es Mehalat Etken wieder gut und sie wurde nach Hause entlassen. Ihre gesunde Tochter Acelya kam vor viereinhalb Monaten im Marienhaus Klinikum St. Elisabeth zur Welt.

„Die Operationen werden auch bei Schwangeren unter Vollnarkose durchgeführt“, erklärt Dr. Michael Fresenius, Chefarzt der Klinik für Anästhesie. Es gibt Narkosen, die das Kind schonen. „Bei uns erhalten die Schwangeren nur Medikamente, mit denen wir viel Erfahrung haben“, beruhigt er. Es gibt Schmerzmittel, Antibiotika und Blutverdünner, die dem ungeborenen Kind nicht schaden und die Schwangere einnehmen dürfen, wenn es der Arzt verordnet.

Auch Mona kam vor sechseinhalb Monaten gesund zur Welt, nachdem ihre Mutter während der Schwangerschaft operiert wurde. Bei Christine Wall war die Operation schon vor der Schwangerschaft geplant worden, denn sie hatte genetisch bedingt eine stark vergrößerte Milz. „Und das hätte in der Endphase einer Schwangerschaft sehr gefährlich werden können, denn zusammen mit dem Baby hätte die Milz keinen Platz gehabt“, so Prof. Berger. Während der Vorbereitungen auf die Operation, bei der ihre Milz entfernt werden sollte, stellte sich heraus, dass sie schon schwanger war. „Prof. Berger rief mich persönlich an und riet mir, den Eingriff während der Schwangerschaft durchführen zu lassen“, berichtet sie und erinnert sich an die Angst, die sie damals um ihr Kind hatte. Auch für sie gab es keine Alternative, allerdings konnte der OP-Termin auf den günstigsten Zeitpunkt gelegt werden: auf die 16. Schwangerschaftswoche. „Da ist die Entwicklung des Babys weitgehend abgeschlossen, die Gebärmutter aber noch so klein, dass die Chirurgen gut operieren können“, so Berger.

Wenn möglich führen die Chirurgen Operationen an Schwangeren minimal-invasiv durch. Ab der 20. Schwangerschaftswoche ist das aber nicht mehr möglich, da die Gebärmutter dann schon zu groß ist. Bei den drei Patientinnen waren die Befunde so, dass sie am offenen Bauch operiert werden mussten. „Alle drei haben die Eingriffe jedoch sehr gut überstanden“, freut sich Prof. Berger. In der akuten Situation waren sie verzweifelt und hatten große Angst, aber „mit der heutigen Medizin können wir Frauen auch während einer Schwangerschaft helfen, ohne dass das ungeborene Kind zu Schaden kommt“, weiß Berger. Christine Wall konnte sogar schon nach sechs Tagen das Krankenhaus verlassen und kam erst zur Geburt ihrer kleinen Mona wieder.


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