Prof. Dr. Carsten Maik Naumann, Chefarzt der Klinik für Urologie und Kinderurologie am Marienhaus Klinikum Neuwied-Waldbreitbach, hat die 1.000. Operation mit dem robotisch-assistierten Da-Vinci-System durchgeführt. Für ihn steht dabei jedoch nicht die reine Anzahl im Mittelpunkt, sondern die Erfahrung, die dahintersteht, nämlich mehr als dreizehn Jahre kontinuierliche Arbeit mit der roboterassistierten Chirurgie, von den ersten Eingriffen an der Universitätsklinik Kiel bis zum heutigen Behandlungsalltag in Neuwied.
Dass Technik und Medizin bei ihm eng miteinander verbunden sind, ist kein Zufall. Ursprünglich begann Professor Naumann ein Maschinenbaustudium mit dem Ziel, in der biomedizinischen Technik tätig zu werden. Er wechselte jedoch zur Humanmedizin und studierte in Marburg, unterbrochen von einem Forschungsjahr für seine Doktorarbeit in den USA. Nach dem Staatsexamen führte ihn sein Weg an das Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, wo er zunächst in der Allgemeinchirurgie tätig war. Seine berufliche Leidenschaft hatte Professor Naumann zu diesem Zeitpunkt längst gefunden: „Dass ich Urologie machen wollte, war schon im Studium klar“, sagt Professor Naumann. Besonders gereizt habe ihn die große Vielseitigkeit des „kleinen“ Fachs: „Große Operationen, kleine Operationen, medikamentöse Therapien oder einfach nur reine Überwachung für Menschen aller Altersstufen und Geschlechter.“
Im Anschluss wechselte Professor Naumann an die Abteilung für Urologie und Kinderurologie des Universitätsklinikums Kiel und widmete sich innerhalb des Kurt–Semm-Zentrums der Forschung sowie Aus- und Weiterbildung in der laparoskopischen und roboterassistierten Chirurgie. Das Kurt-Semm-Zentrum ist benannt nach dem Kieler Gynäkologen Kurt Semm, der als Pionier der minimalinvasiven Chirurgie gilt und die erste laparoskopische Blinddarmoperation weltweit durchführte. Das Zentrum ist ein Kompetenzzentrum verschiedener chirurgischer Fachdisziplinen der Universitätsklinik Kiel mit dem Ziel, minimalinvasive Operationstechniken systematisch weiterzuentwickeln. Darüber hinaus bildete er als Trainer der Deutschen Gesellschaft für Roboter-assistierte Urologie (DGRU) über mehrere Jahre andere Urologen am da-Vinci®-System aus.
Seit 2013 setzt Professor Naumann die roboterassistierte Chirurgie kontinuierlich in seiner operativen Tätigkeit ein. Von Beginn an konzentrierte er sich dabei nicht nur auf Prostataoperationen, sondern auf ein breites Spektrum urologischer Eingriffe.
Mit seinem Wechsel nach Neuwied im Jahr 2019 übernahm Professor Naumann die Aufgabe, die roboterassistierte Urologie am Marienhaus Klinikum zu etablieren. „Wir haben schnell ein Kernteam gebildet und das da-Vinci®-Programm zügig auf die Beine gestellt“, erinnert er sich. Seither arbeitet die Urologie mit dem chirurgischen Assistenzsystem. Rund 80 bis 85 Prozent der robotischen Eingriffe entfallen auf die Tumorchirurgie, beispielsweise bei Erkrankungen von Prostata, Niere oder Blase. Hinzu kommen rekonstruktive Operationen, bei denen die Funktion des Urogenitaltrakts wiederhergestellt wird.
Mit zunehmender Expertise seien die robotischen Eingriffe kontinuierlich effizienter geworden. „Mit wachsender Erfahrung entwickelt man sich kontinuierlich weiter und gewinnt zunehmend an Routine“, sagt Professor Naumann. „Anfangs verläuft die Lernkurve recht steil, insbesondere wenn man vorher schon Erfahrung in der Laparoskopie hatte. Nach 50-100 Eingriffen hat der Operateur schon in der Regel gute und sehr gute Operationsergebnisse, wobei es nach ca. 500 Operationen noch einmal einen deutlichen Entwicklungsschub gibt. Es ist aber nicht nur der Operateur allein, sondern es zählt das ganze OP-Team von der OP-Schwester bis zum Narkosearzt, ohne das der beste Operateur keine guten Ergebnisse erzielt. Hier blicke ich stolz auf ein exzellentes, mittlerweile sehr erfahrenes und großes interdisziplinäres Team“, so Professor Naumann.
Trotz der hohen Fallzahl warnt der Urologe davor, Routine mit Sicherheit gleichzusetzen. „Man sollte jede Operation mit dem nötigen Respekt angehen. Komplikationen können trotz aller Erfahrung jederzeit auftreten“, betont Professor Naumann. Bei aller technischen Unterstützung steht für ihn immer der Mensch im Mittelpunkt: „Die Patienten und ihre Familien vertrauen sich uns an. Dieser Verantwortung muss man sich immer bewusst sein, so als ob es der eigene Bruder, Vater, die eigene Mutter oder Schwester wäre, die man gerade operiert.“
Neben seiner Tätigkeit in Neuwied engagiert sich Professor Naumann auch in Forschung und Lehre. Als Professor an der Universitätsmedizin Mainz steht er im regelmäßigen Austausch mit Kolleginnen und Kollegen aus Wissenschaft und klinischer Praxis.
Für das Marienhaus Klinikum Neuwied-Waldbreitbach steht der Meilenstein von 1.000 roboterassistierten Operationen vor allem für die langjährige Erfahrung seines Chefarztes und seines Teams. Von dieser Expertise profitieren heute die Patientinnen und Patienten in der gesamten Region und darüber hinaus.
Die Urologie am Marienhaus Klinikum Neuwied-Waldbreitbach
Die Klinik für Urologie und Kinderurologie am Marienhaus Klinikum behandelt das gesamte Spektrum urologischer Erkrankungen der Nieren, der ableitenden Harnwege sowie der männlichen Geschlechtsorgane. Zum Leistungsspektrum gehören konservative, minimalinvasive und roboterassistierte Behandlungsverfahren mit dem Da-Vinci®-System. Schwerpunkte sind die operative Behandlung von Tumorerkrankungen sowie die rekonstruktive Urologie. Gemeinsam mit der Frauenheilkunde und der Allgemeinchirurgie betreibt die Klinik zudem ein interdisziplinäres Kontinenzzentrum.


