Bereits in der 16. Schwangerschaftswoche wurde bei Rita Fransen ein deutlich erhöhter Blutdruck festgestellt. Trotz medikamentöser Einstellung blieb die Situation zunächst kritisch, stabilisierte sich jedoch mit der Zeit. Ein zentraler Risikowert für eine Schwangerschaftsvergiftung lag in der 19. Woche bei über 200 – üblich sind Werte unter 30. „Uns war bewusst, dass sich die Lage jederzeit zuspitzen kann“, berichtet sie rückblickend.
Nach einer vorübergehenden Besserung des Zustands folgte in der 24. Schwangerschaftswoche der nächste Einschnitt: Starke rechtsseitige Schmerzen führten zur Einweisung ins Marienhaus Klinikum St. Elisabeth Neuwied. Dort wurde festgestellt, dass sich der rechte Eierstock um die eigene Achse gedreht hatte und sich selbst die Blutzufuhr abschnitt. Diese sehr bedrohliche Situation machte eine sofortige Operation erforderlich – und das alles in der 24. Schwangerschaftswoche, die die Grenze der Lebensfähigkeit des Kindes markiert. „Das gesamte Team war vorbereitet, auch die Neonatologie stand bereit“, so Fransen. Der Eingriff wurde durch den Chefarzt der Frauenklinik, Prof. Dr. Richard Berger, durchgeführt und verlief komplikationslos. Die Schwangerschaft konnte fortgeführt werden.
Im Zuge der Operation wurden sämtliche Werte erneut überprüft. Aufgrund der Gesamtsituation wurde Rita Fransen am 21. November empfohlen, bis zur Entbindung stationär im Krankenhaus zu bleiben. Der errechnete Geburtstermin war der 14. März. Die Familie hatte sich bewusst für das Marienhaus Klinikum St. Elisabeth entschieden – sowohl aufgrund der heimatnahen Lage als auch wegen des Perinatalzentrums Level 1. Die weitere Betreuung erfolgte durch ein erfahrenes interdisziplinäres Team unter Leitung von Prof. Berger.
Die Empfehlung eines langfristigen stationären Aufenthalts stellte für die Familie eine große Belastung dar. „Gerade wegen unseres Sohnes fiel es mir schwer, über Wochen im Krankenhaus zu bleiben“, sagt Frau Fransen. Gleichzeitig bestand medizinisch keine Alternative: Der Zustand konnte sich jederzeit abrupt verschlechtern.
Am 19. Dezember, in der 28. Schwangerschaftswoche, bestätigte sich diese Einschätzung. Während einer routinemäßigen CTG-Kontrolle zeigten sich plötzlich kritische Veränderungen der kindlichen Herztöne. Ein unmittelbar veranlasster Ultraschall ergab eine deutlich eingeschränkte Versorgung des Kindes. Die Entscheidung zur sofortigen Entbindung wurde getroffen.
Tochter Ellen kam per Kaiserschnitt mit einem Geburtsgewicht von 730 Gramm zur Welt – ein extrem früh geborenes Kind. Direkt nach der Geburt übernahm das Team der Neonatologie die Erstversorgung.
Es folgte eine mehrwöchige Behandlung auf der Kinderintensivstation. Ellen erhielt zunächst Atemunterstützung und wurde engmaschig überwacht. Trotz der herausfordernden Ausgangssituation entwickelte sie sich kontinuierlich stabil. „Wir haben uns auf mögliche Rückschläge eingestellt, aber insgesamt verlief die Entwicklung positiv“, beschreibt Artur Fransen die Situation.
Neben der medizinischen Versorgung hebt die Familie insbesondere die professionelle und zugleich zugewandte Betreuung hervor. „Die Pflegekräfte und Ärzte arbeiten mit großem Engagement und viel Einfühlungsvermögen. Es gibt Sicherheit zu wissen, dass das eigene Kind gut versorgt ist – auch wenn es schwerfällt, es jeden Tag im Krankenhaus zurückzulassen“, so das Ehepaar.
Nach der intensivmedizinischen Phase folgten weitere Entwicklungsschritte auf der Kinderstation sowie im Mutter-Kind-Zimmer. Am 27. Februar konnte Ellen schließlich nach Hause entlassen werden. Für die Familie bedeutete dies einerseits Erleichterung, andererseits auch die Umstellung auf den neuen Alltag ohne permanente medizinische Überwachung. „Man muss lernen, Vertrauen zu entwickeln – in das Kind, aber auch in die medizinische Entscheidung“, sagt Rita Fransen.
Aktuell entwickelt sich Ellen altersentsprechend gut. Vereinzelte ergänzende Vorsorgeuntersuchungen sowie physiotherapeutische Maßnahmen begleiten ihren weiteren Weg. Hinweise auf schwerwiegende gesundheitliche Einschränkungen bestehen derzeit nicht.
Rückblickend beschreibt die Familie die vergangenen Monate als prägend und kräftezehrend, aber auch als von großer Dankbarkeit geprägt. „Es war ein langer Weg. Umso dankbarer sind wir Gott, dass wir heute gemeinsam zu viert sind“, so Rita Fransen.
Ihr Rat an andere betroffene Eltern: „Auch wenn die Situation zunächst ausweglos erscheint – man wächst über sich hinaus. Und es hilft, sich bewusst auf die kleinen Fortschritte zu konzentrieren.“
Die Geschichte der Familie Fransen verdeutlicht eindrücklich die Möglichkeiten moderner Perinatalmedizin sowie die Bedeutung einer eng abgestimmten Betreuung in kritischen Schwangerschaftsverläufen.



