Schwerstverletzt eingeliefert – interdisziplinäre, interprofessionelle Notfallversorgung binnen Minuten
Ein Gutachten stellte später fest: Der Unfall wäre kaum zu vermeiden gewesen. Muth wurde rund 13 Meter durch die Luft geschleudert und kam ungebremst auf – mit der Folge einer Wirbelsäulen-Becken-Trennung. Kurz danach traf der Rettungshubschrauber am Marienhaus Klinikum St. Elisabeth Neuwied ein. Das Klinikum verfügt über einen eigenen, rund um die Uhr anfliegbaren Hubschrauberlandeplatz auf dem Dach, von dem aus Patientinnen und Patienten per Aufzug direkt in einen der beiden Schockräume gebracht werden – so auch Norbert Muth, der von dort umgehend in die Notfall-OP übernommen wurde. In den ersten 24 Stunden einer solchen Notfallversorgung sind bis zu 120 Menschen an der Versorgung eines Schwerstverletzten beteiligt – vom Rettungsdienst am Unfallort bis zur Intensivstation. Das zeigt, welche personelle und infrastrukturelle Vorhaltung hinter der Notfallversorgung eines überregionalen Traumazentrums steht.
Nach der lebensrettenden Notfallversorgung folgten Wochen, in denen Norbert Muth zweimal um sein Leben rang, ein akutes Nierenversagen mit Dauerdialyse überstand und sich – gegen alle Erwartungen – bereits nach kurzer Zeit aus der künstlichen Beatmung befreite. Es folgten 28 Operationen, wöchentliche Eingriffe über Monate und eine Lappenplastik zur Deckung einer großen offenen Wunde: Dabei wird körpereigenes Gewebe mitsamt Haut und Blutversorgung aus einer anderen Körperregion entnommen und auf die Wunde verpflanzt, um sie dauerhaft zu verschließen. Ein zermürbender Prozess des Wiederaufbaus schloss sich an – durchgehend begleitet vom unfallchirurgischen Team des Klinikums.
„Man muss sich das selbst im Kopf zurechtlegen", sagt Norbert Muth rückblickend. „Wer sich hängen lässt, dem hilft am Ende niemand mehr."
Im September 2025 zeigte eine Kontrolluntersuchung im Klinikum einen erneuten Bruch oberhalb des Knies, den Norbert Muth durch die eingeschränkte Sensibilität im Bein gar nicht bemerkt hatte. Nach ausführlicher Abwägung im Ärzteteam und gemeinsam mit dem Patienten fiel die Entscheidung: die Amputation des Unterschenkels. Der Eingriff erfolgte im März 2026 im Marienhaus Klinikum St. Elisabeth Neuwied.
„Was sich nicht mehr bewegen lässt, stört nur noch", beschreibt Muth seine pragmatische Haltung. „Ich habe mich damit sehr schnell abgefunden."
Ein zentraler Faktor auf diesem Weg war für Norbert Muth das durchgehende Vertrauensverhältnis zu seinen behandelnden Ärzten: Ihm sei stets direkt und ehrlich gesagt worden, wie es um ihn stehe – nichts sei schöngeredet worden. Das habe ihm Sicherheit gegeben. Auch die Zusammenarbeit mit dem Pflegeteam beschreibt er als durchweg positiv: „Wenn man Menschen mit Respekt behandelt, bekommt man das zurück."
Der Blick nach vorn
Heute lebt Norbert Muth mit seiner Frau in seinem barrierefrei umgebauten Haus, ist aktiv in Garten und Haushalt eingebunden und verfolgt klare Ziele: wieder selbstständig Auto fahren, wieder – in reduziertem Umfang – arbeiten, und langfristig auch wieder Motorrad fahren, etwa mit einem Beiwagen-Gespann.
„Man muss sich Ziele setzen. Der Rest kommt von alleine."
Über das überregionale Traumazentrum Neuwied
Das überregionale Traumazentrum am Marienhaus Klinikum St. Elisabeth Neuwied ist von der Deutschen Gesellschaft für Unfallchirurgie zertifiziert und behandelt jährlich rund 3.000 stationäre Patienten. Rund um die Uhr steht ein interdisziplinäres Team aus Notfallmedizin, Unfallchirurgie, Radiologie, Intensivmedizin und Pflege bereit. Das Klinikum verfügt über einen eigenen Hubschrauberlandeplatz, zwei Schockräume, zwei CT-Geräte, einen Hybrid-OP für Gefäßinterventionen sowie eine 22-Betten-Intensivstation für Erwachsene und eine weitere für Kinder. Geleitet wird das interdisziplinäre Traumazentrum von Prof. Dr. Christoph G. Wölfl, Ärztlicher Direktor des Muskuloskelettalen Zentrums.


