Neuwied. In der Geburtsurkunde der kleinen Antonia Schardt ist die Stadt Neuwied als Geburtsort vermerkt. Und das, obwohl die Deichstadt und Antonias Heimatort bei Diez mehr als 50 Kilometer voneinander entfernt liegen. Antonia sollte eigentlich in Limburg zur Welt kommen, „Neuwied war gar nicht unsere Richtung“, sagt ihre Mutter Flavia Schardt. Doch heute sind sie und ihr Mann Michael froh, dass ihr Wunschkind im Marienhaus Klinikum St. Elisabeth in Neuwied entbunden wurde.
Wegen einer drohenden Frühgeburt in der 23. Schwangerschaftswoche wurde die werdende Mutter Mitte Oktober nach Neuwied gebracht. Hier diagnostizierten die Ärzte eine tiefliegende Placenta, die tief in die Gebärmutter wuchs und möglicherweise sogar die Beckenwand Bauchraum infiltrierte. In der Medizin spricht man von dem Verdacht auf eine Placenta percreta. „Somit war klar, dass es eine Frühgeburt werden und mein Kind eher, als zum errechneten Termin Mitte Februar zur Welt kommen würde“, sagt Flavia Schardt. „Diese schwerwiegende und seltene Komplikation birgt ein hohes Risiko für Mutter und Kind und erfordert eine kontinuierliche stationäre Überwachung“, so Professor Richard Berger, Chefarzt der Frauenklinik.
Dennoch versuchte das Team rund um Prof. Dr. Richard Berger alles, damit das Baby solange wie möglich im Bauch seiner Mutter wachsen und reifen konnte. Eine Zitterpartie für die werdenden Eltern. „Ich wusste nicht, ob ich mit meiner Frau und meinem Kind, nur mit dem Baby oder nur mit meiner Frau oder ganz alleine das Krankenhaus wieder verlassen würde“, berichtet Michael Schardt. Doch das Paar fühlte sich von der ersten bis zur letzten Minute in der Neuwieder Klinik gut aufgehoben und durch die Ärzte jederzeit gut informiert. So fühlen sich rückblickend die drei Monate, die die jungen Eltern in der Klinik verbracht haben, viel kürzer an als sie es waren. „Ich habe sämtliche Feiertage, von Halloween bis Sylvester, meinen Geburtstag und das Ende der Ampel-Regierung hier erlebt“, sagt Flavia Schardt. Und ihr Mann brachte ihr insgesamt drei Adventskalender, die mit jedem geöffneten Türchen jeden für das Baby so wichtigen gewonnen Tag und die Hoffnung des jungen Paares symbolisierten.
Fünf Tage vor dem geplanten Kaiserschnitt und sechs Wochen vor dem errechneten Geburtstermin wollte die kleine Antonia nicht mehr warten, die Geburt des Mädchens kündigte sich an. Flavia Schardt kann sich noch gut erinnern, wie sich der OP-Saal mit Ärzten sämtlicher Fachrichtungen füllte, die alle mitten in der Nacht gerufen wurden. Und auch in dieser Situation half ihr das Vertrauen in die Neuwieder Ärzte, die sie schon alle kannte und die sich ihrerseits gut auf diesen hoch komplizierten Eingriff vorbereitet hatten. „So ein Eingriff ist eine sehr große chirurgische Herausforderung und erfordert eine gute Abstimmung zahlreicher chirurgischer Disziplinen. Wir verschließen dabei mit einem Ballon-Katheter die Hauptschlagader für eine definierte Zeit, um den Blutverlust möglichst gering zu halten. Erschwerend kam in diesem Fall hinzu, dass bei Frau Schardt eine äußerst seltene Blutgruppe vorlag und wir nur wenige Blutkonserven zur Verfügung hatten. Zudem war sie bereits mehrfach im Bauch voroperiert, so dass ein schwieriger Operationssitus zu erwarten war. Die Zusammenarbeit zwischen den einzelnen Disziplinen klappte jedoch hervorragend, so, dass wir die Patientin bereits nach drei Stunden stabil auf die Intensivstation verlegen konnten.“
Flavia Schardt erholte sich von der schweren OP gut und ihr kleines Mädchen benötigte nur in den ersten Minuten Sauerstoff und konnte schon nach zwei Wochen auf der Frühgeborenenintensivstation entlassen werden.
Obwohl Flavia Schardt bei der Operation die Gebärmutter entfernt werden musste, blicken sie und ihr Mann voller Dankbarkeit auf die Zeit im Krankenhaus zurück. „Unser allergrößter Wunsch, nämlich zu dritt aus der Klinik herauszugehen, hat sich erfüllt“, sagt der stolze Vater Michael Schardt.
Bildunterschrift:
Flavia und Michael Schardt sind überglücklich, dass nach schweren Komplikationen in der Schwangerschaft nun das Familienglück mit der kleinen Antonia komplett ist. Foto: Beate Christ


