Zunächst bestand kein akuter Handlungsbedarf, die Werte wurden jedoch engmaschig kontrolliert – erst alle zwei Wochen, später wöchentlich. „Die Werte sind langsam gesunken, deshalb wurde das entsprechend beobachtet“, erinnert sich Joline.
Bis Anfang des Jahres setzte sich dieser Verlauf fort. Die behandelnde Frauenärztin empfahl dem Ehepaar daher, sich frühzeitig in einem Krankenhaus vorzustellen, um die Geburt zu planen und mögliche Besonderheiten rechtzeitig zu besprechen. Joline und Nicolas Siebke stellten sich daraufhin im Marienhaus Klinikum St. Elisabeth Neuwied vor. Dort wurde Joline umfassend untersucht. Um andere mögliche Ursachen für die sinkenden Thrombozytenwerte auszuschließen, veranlasste Prof. Dr. Richard Berger, Chefarzt der Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe, unter anderem einen Autoimmuntest. Dieser zeigte keine Auffälligkeiten.
Zwischenzeitlich schien sich die Situation sogar leicht zu stabilisieren. Die Thrombozytenwerte waren wieder angestiegen. „Wir dachten, vielleicht renkt sich alles bis zur Geburt wieder ein“, so Joline.
Doch nur wenige Tage später kam alles anders. Am ersten Tag ihres Mutterschutzes zeigten neue Laborwerte einen dramatischen Abfall der Thrombozyten. Die Frauenärztin reagierte umgehend und überwies Joline direkt ins Marienhaus Klinikum St. Elisabeth Neuwied. Sie befand sich zu diesem Zeitpunkt in der 34. Schwangerschaftswoche.
„Ich hatte eher erwartet, dass ich zur Überwachung bleibe“, sagt sie. „Das wenige Stunden später bereits ein Kaiserschnitt durchgeführt wird, damit habe ich überhaupt nicht gerechnet.“
Im Klinikum zeigten Ultraschall und CTG zunächst, dass es dem ungeborenen Kind gut ging. Dennoch bestand aufgrund eines Thrombozytenwertes von nur noch rund 15.000 ein erhebliches Blutungsrisiko für die Mutter. Zum Vergleich: Der Normalwert liegt bei Erwachsenen in der Regel zwischen 150.000 und 400.000 Thrombozyten pro Mikroliter Blut. Bettruhe oder weiteres Abwarten kamen nicht mehr infrage.
„Als Prof. Berger zu uns kam, sagte er direkt, dass Eile geboten ist“, erinnert sich Joline.
Vor dem Eingriff erhielt sie zwei Thrombozytenkonzentrate sowie weitere vorbereitende Medikamente. Das Ehepaar wurde umfassend über Risiken und Ablauf informiert. „Wir wurden sehr gut aufgeklärt“, sagt Joline. „Trotzdem war klar: Es bleibt keine andere Option.“ Wenig später erfolgte der Kaiserschnitt unter Vollnarkose. Eine Rückenmarksnarkose war aufgrund des hohen Blutungsrisikos nicht mehr möglich.
Während Joline im Operationssaal versorgt wurde, wartete Nicolas vor der Entbindungsstation. „Als Levi dann kam, war das ein erschreckender Moment“, erinnert er sich. „Er hatte überall Schläuche und Kabel. Gleichzeitig macht man sich Sorgen um sein Kind und um seine Frau.“
Die Erleichterung folgte kurz darauf: Die Operation verlief erfolgreich, Levi schrie direkt nach der Geburt, auch Joline erholte sich rasch. Dennoch begann für die Familie eine völlig neue Phase.
Da Levi bereits am 13. Februar und damit rund sieben Wochen vor dem errechneten Geburtstermin geboren wurde, wurde er unmittelbar nach der Entbindung vom Team der Neonatologie, das auf die Betreuung von Früh- und Neugeborenen spezialisiert ist, übernommen. Die Schwangerschafts-Thrombozytopenie der Mutter hatte keine Auswirkungen auf ihn, dennoch benötigte er aufgrund seiner Frühgeburt intensive Unterstützung bei der Anpassung an das Leben außerhalb des Mutterleibs.
Fast vier Wochen verbrachte er im Klinikum, davon knapp drei Wochen auf der neonatologischen Intensivstation. Zeitweise benötigte er ein spezielles Gerät zur Atemunterstützung und wurde über eine Magensonde ernährt. „Der Anblick im Inkubator war nicht leicht“, sagt Joline. „Aber wir wurden bei jedem Schritt begleitet und aufgeklärt.“
Fünf Tage nach dem Kaiserschnitt wurde sie selbst entlassen. Von da an verbrachte das Paar täglich viele Stunden im Krankenhaus bei ihrem Sohn. „Für das Personal ist vieles Routine, für Eltern nicht“, so Nicolas. „Aber es war immer jemand da, der erklärt und beruhigt hat.“
Besonders prägend waren für beide die intensive Betreuung durch das Team der Neonatologie, die Unterstützung der Pflegekräfte sowie die Gespräche mit der Krankenhausseelsorge. „Die Seelsorgerin hat uns sehr viel Mut gemacht“, berichtet Nicolas. „Sie hat einfach zugehört und war da.“
Nach zwei Wochen konnte Levi selbstständig atmen, später auch eigenständig trinken. Als er von der Intensiv- auf die Normalstation verlegt wurde, war für die Eltern klar, dass die kritischste Phase überstanden war. „Da hat sich ein Schalter umgelegt“, sagt Joline lächelnd. „Und ein paar Tage später durften wir ihn endlich mit nach Hause nehmen.“
Heute hat Levi die frühe Geburt vollständig aufgeholt, die regulären Vorsorgeuntersuchungen verlaufen unauffällig. Für die Familie steht vor allem eines im Vordergrund: Dankbarkeit – gegenüber der Frauenärztin, die die Veränderung der Blutwerte früh erkannt hat, und gegenüber dem gesamten Team des Marienhaus Klinikums St. Elisabeth Neuwied.
Für solche Situationen verfügt das Marienhaus Klinikum Neuwied-Waldbreitbach über ein Perinatalzentrum Level I und damit über die höchste Versorgungsstufe für Risikoschwangerschaften und Frühgeborene. Die enge Zusammenarbeit von Geburtshilfe, Neonatologie, Anästhesie, Psychologie und Seelsorge ermöglicht dabei eine umfassende Betreuung von Mutter, Kind und Familie.
Der erleichterte Familienvater betont: „Ohne Blutspende hätte meine Frau die Thrombozytenkonzentrate nicht bekommen können. Deshalb kann ich nur jedem empfehlen, Blut spenden zu gehen.“
Joline ergänzt: „Man sollte seinem Bauchgefühl vertrauen und lieber einmal mehr nachfragen. Vor allem aber sollte man Vertrauen in die Menschen haben, die einen begleiten.“
Am Ende bleibt für die Familie vor allem eines: Dankbarkeit. „Man kann nur tausendmal Danke sagen“, sagt Nicolas. „An alle, die uns durch diese Zeit begleitet haben.“


