Sein Weg in die Kinderurologie begann früh. Aufgewachsen in Mittelfranken absolvierte er sein Medizinstudium in Erlangen und entwickelte bereits gegen Ende des Studiums eine klare Ausrichtung auf die operative Kindermedizin. Den Einstieg wählte er bewusst über die Erwachsenenchirurgie, um eine fundierte fachliche Grundlage zu schaffen, bevor er in die Kinderchirurgie wechselte. Dort entwickelte sich schnell eine klare fachliche Ausrichtung: die Kinderurologie.
Ein entscheidender Schritt folgte nach mehreren Stationen im In- und Ausland. Rösch erkannte, dass die Kinderurologie innerhalb der klassischen Urologie oft umfassender und spezialisierter aufgestellt ist als in der Kinderchirurgie. Daraufhin wechselte er zurück an die Uniklinik Erlangen, absolvierte die vollständige Facharztausbildung für Urologie und baute anschließend seine Spezialisierung in der Kinderurologie weiter aus.
2003 folgte der nächste Meilenstein: der Ruf an das Universitätsklinikum Regensburg. Dort wurde zu diesem Zeitpunkt eine eigene Klinik für Kinderurologie geschaffen, deren Aufbau Rösch mitgestaltete. Über 22 Jahre leitete er die Abteilung und bildete zahlreiche Fachärztinnen und -ärzte aus.
Genau hier liegt auch sein Antrieb für die aktuelle Tätigkeit in Neuwied. Mit PD Dr. Aybike Hofmann und Dr. Franziska Vauth arbeiten dort zwei erfahrene Kinderurologinnen, die er bereits aus Regensburger Zeiten kennt und ausgebildet hat. Ihr gemeinsames Ziel ist der Aufbau einer leistungsstarken, spezialisierten Kinderurologie am Marienhaus Klinikum. Rösch unterstützt dieses Vorhaben gezielt – nicht als operativer Hauptakteur, sondern als erfahrener Berater im Hintergrund. Besonders bei seltenen Krankheitsbildern, die viele Ärztinnen und Ärzte nur selten sehen, ist diese Expertise von entscheidender Bedeutung.
„Experience is necessary for expertise“ – dieses Zitat des Kinderurologen Philip G. Ransley beschreibt präzise, worauf es ankommt. Kinderurologie definiert sich nicht allein über operative Technik. Ebenso entscheidend sind das richtige Timing, das Verständnis für Entwicklung und Reifung („Maturation“) sowie die Fähigkeit, individuelle Entscheidungen zu treffen: Ist eine Operation überhaupt notwendig – und wenn ja, welches Verfahren ist im konkreten Fall das richtige?
Ein Schwerpunkt seiner Arbeit sind komplexe Fehlbildungen wie die Blasenekstrophie, also angeborene Blasenspalten. Diese seltenen und anspruchsvollen Fälle sollen künftig auch in Neuwied mitversorgt werden. Ergänzend ist der Aufbau einer spezialisierten Sprechstunde geplant – auch für ältere Patientinnen und Patienten, die in der klassischen Kinderchirurgie oft keinen Ansprechpartner mehr finden.
Die strukturellen Voraussetzungen vor Ort bewertet Rösch klar positiv. Die enge Zusammenarbeit mit der Pädiatrie, eine erfahrene Anästhesie – auch für spezielle Verfahren wie Kaudalblockaden – sowie funktionierende interdisziplinäre Abläufe schaffen die Basis für eine qualitativ hochwertige Versorgung. Entscheidend ist für ihn jedoch ein weiterer Aspekt: die Haltung im Umgang mit Patientinnen und Patienten und ihren Familien.
Kinderurologie ist immer auch Familienmedizin. Eltern müssen verstehen, vertrauen und in den Behandlungsprozess eingebunden werden – gerade bei chronischen oder nicht vollständig heilbaren Erkrankungen. Medizinische Qualität allein reicht nicht aus, wenn die Kommunikation nicht stimmt. Für Rösch ist klar: Gute Medizin entsteht dort, wo Fachwissen und transparente, ehrliche Aufklärung zusammenkommen.
Dass er diesen Anspruch über Jahre gelebt hat, zeigt sich auch in persönlichen Momenten seiner Laufbahn. Seine Arbeit war geprägt von herausfordernden Situationen ebenso wie von großen Erfolgen. Besonders eindrücklich sind für ihn die positiven Rückmeldungen ehemaliger Patientinnen und Patienten: Zu seinem Ruhestand erhielt er ein gemeinsames Dankesvideo von rund 60 inzwischen erwachsenen Menschen, die er als Kinder behandelt hatte. Ein deutliches Zeichen dafür, dass seine medizinische Arbeit nachhaltig gewirkt hat.
Mit seinem Engagement in Neuwied schließt sich für Prof. Rösch ein Kreis. Er tritt bewusst einen Schritt zurück und schafft gleichzeitig Raum für die nächste Generation. Für das Marienhaus Klinikum bedeutet das konkret: mehr Sicherheit bei komplexen Fällen, gezielter Wissensaufbau im Team und eine klare Perspektive für den weiteren Ausbau der Kinderurologie.
Der Mehrwert ist eindeutig. Expertise, die sonst vor allem an universitären Zentren verfügbar ist, wird vor Ort zugänglich – strukturiert, kooperativ und mit dem klaren Ziel, langfristig eigenständig hohe Qualität zu sichern.


